Die Belichtungszeit – Manuell fotografieren Teil 3

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Im letzten Beitrag habe ich euch gezeigt, dass die Blende 2 Features besitzt. Eines zum Beeinflussen der Tiefenschärfe und eines zum Steuern der Lichtmenge. Ist der Blende weit geöffnet, kann eine große Menge an Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen.

Die Verschlusszeit oder Belichtungszeit hat auch wieder 2 Features und eines davon wirkt sich wieder auf das Licht, also die Helligkeit aus.

Das Bauteil, welches die Belichtungszeit realisiert ist der Verschluss oder Vorhang. Das ist vereinfacht beschrieben einfach nur ein lichtdichtes Fenster vor dem Bildsensor. Ist es geöffnet kann Licht einfallen, geschlossen wird es stockfinster.

Belichtungszeit und Licht

Anders als bei der Blende, ist bei der Belichtungszeit die Dauer des geöffneten Fensters wichtig! Ist das Fenster lange geöffnet, haben viele Lichtteilchen die Chance auf den Sensor zu gelangen und das Bild wird heller. Umgekehrt ist die Menge an Lichtteilchen gering, wenn das Fenster nur eine sehr kurze Zeit geöffnet ist, das Bild wird dunkler.
Kombiniert man eine große Blende mit langer Belichtungszeit, lässt sich selbst bei Mondlicht noch eine Landschaft fotografieren die wie am Tag wirkt.

 

Lange Belichtungszeit = helle Bilder

Kurze Belichtungszeit = dunkle Bilder

 

Belichtungszeit und Bewegung

Wäre ja langweilig, wenn man mit der Belichtung nur die Helligkeit regeln könnte, das zweite Feature der Belichtungszeit hat mit Bewegung zu tun bzw. wie Bewegung dargestellt wird.
Bewegungen darstellen? Das klingt erstmal paradox. Bilder sind ja nur statische Aufnahmen auf denen sich nichts bewegt. Es geht hier auch nicht um Anigifs oder Apple’s Live Photos.
Wenn ein Objekt wirklich still steht, brauche ich mir darüber keine Gedanken machen, ich belichte einfach solange bis die Helligkeit, also die Belichtung stimmt. Bei bewegten Objekten wird die Sache aber interessant.

Einfrieren von Bewegungen mit kurzer Belichtungszeit

Das ist eigentlich der Normalfall, möchte ich eine schnelle Bewegung scharf bzw. nicht verschwommen abbilden, muss die Belichtungszeit entsprechend kurz gewählt werden.

Fallende Wassertropfen aus einem Wasserhahn lassen sich nur mit sehr kurzen Belichtungszeiten als wirklich einzelne Tropfen darstellen. Jeder kennt die Bilder von Gewehrkugeln die im Flug aufgenommen wurden. Das ist ein typischer und extremer Fall von eingefrorenen Bewegungen. Ein solches Bild vermittelt Eindrücke, die wir so mit dem menschlichen Auge durch ihre kurze Zeit überhaupt nicht wahrnehmen könnten.

Eines fehlt solchen Bildern aber oft, die Illusion von Bewegung. Diese kurzen Momentaufnahmen wirken meist wenig dynamisch, eben wie eingefroren und trotzdem oft deswegen richtig interessant. Wirklich beeindruckende Beispiele liefert Tim Tadder mit seinen Water Wigs, mit Wasser gefüllte Ballons, die direkt auf den Models im Moment der Belichtung platzen.

Bewegungen weichzeichnen mit der Verschlusszeit

Belichtet man bewegte Objekte zu lange, verschwimmen diese. Wenn ein Auto innerhalb von einer halben Sekunde euer Bild durchquert, erzeugt die gleiche Belichtungszeit einen „Autostreifen“ quer durch euer Bild, viel erkennen werdet ihr dann nicht mehr. Der Hintergrund bleibt aber scharf, solange ihr mit einem Stativ gearbeitet habt.

Wenn wir das gleiche aber mal Nachts an einer Straße mit einer viel längeren Belichtungszeit versuchen, bekommen wir richtig spektakuläre Lichtspuren der Autos. Im Grunde müssen wir einfach nur mal den Verkehr beobachten und mit der Uhr ermitteln wie viele Autos in 10 oder 20 oder 30 Sekunden durch die Szene fahren. Fährt nur 1 Auto in 10 Sekunden durch unser Bild, dann erhalten wir auch nur eine Lichtspur innerhalb dieser Belichtungszeit.
Aber auch Wasseroberflächen werden mit langen Belichtungszeiten richtig smooth und glatt. Jede einzelne Welle addiert und überblendet sich quasi mit der Zeit. Aus einzelnen Wellen mit scharfen Konturen werden dann immer weichere Oberflächen bis diese dann fast schon neblig wirken. Das ist übrigens der gleiche Effekt, den man von ganz weichen Wasserfällen kennt.

Skyladder

Die Lichtspur eines Flugzeuges mit langer Belichtungszeit

Lange Belichtungszeit = weiche, verschwommene Bewegungen

Kurze Belichtungszeit = Bewegung eingefroren

Belichtungszeit einstellen

Wie immer lasse ich gerne am Anfang den ganzen Zahlenkram weg, das machen wir jetzt.

Als Einheit der Belichtungszeit wird die Sekunde verwendet, endlich mal was greifbares aus dem Leben. Unter 2 Sekunden kann man sich gut was vorstellen, nur sind 2 Sekunden Belichtungszeit schon echt lang. Bei strahlendem Sonnenschein bedeuten 2 Sekunden schon total überbelichte Bilder. Ja, man braucht oft sehr viel kürzere Zeiten, weit weniger als eine Sekunde, Bruchteile von Sekunden. Und genau deshalb gibt man alles unter einer Sekunde auch in Bruchschreibweise an. Lass den Taschenrechner stecken!

Belichtungszeiten unter einer Sekunde

Wenn Du 1/10 Sekunde liest, dann ist die Belichtungszeit einfach 10x kürzer als eine Sekunde
Bei 1/100 ist sie hundertmal kürzer als eine Sekunde.
Bei 1/4000 hast Du den vier tausendsten Teil einer Sekunde, kürzer geht es bei den meisten Kameras nicht.

Willst Du von 1/100 Sekunde ausgehend die doppelte Belichtungszeit, dann musst Du 1/50s einstellen.
Von 1/4000s auf die doppelte Zeit wäre 1/2000s

Belichtungszeiten Schreibweise

Bei den meisten Kameras fehlt aber hinter der Belichtungszeit das s für Sekunde, stattdessen wird oft das Anführungszeichen ″ für Sekunde verwendet.

10″ stehen dann für 10s oder 10 Sekunden
0.5″ für 0.5 Sekunden

Um dann die Anfänger ganz zu verwirren lässt man bei Zeiten unter einer Sekunde den Bruchstrich einfach weg. Bei Nikon ist das der Fall, bei Sony gibt es hingegen den Bruchstrich.

1000 bedeuten dann 1/1000s
100 steht für 1/100s

″ oh Gott, und wie viel Belichtungszeit brauche ich nun? ″
Ich gehe an dieser Stelle nicht weiter darauf ein, weil die richtige Belichtungszeit erst zusammen mit der Blende und dem ISO Wert eingestellt werden kann. Das klingt furchtbar kompliziert, ist aber dank des eingebauten Belichtungsmessers ne ganz einfach Sache. 5 Sekunden Belichtungszeit für ein Gruppenfoto mit herumzappelten Leuten die keine 5 Sekunden still stehen können ist jedenfalls zu lange. Zu kurze Belichtungszeit macht Dein Bild aber auch dunkel.

Mach Dir also darüber erstmal keine Gedanken. Du wirst ein Gespür dafür entwickeln und später dazu auch noch ein paar einfache Regeln von mir im weiteren Verlauf dieser Serie bekommen.

Nächste Woche geht es im Fotokurs dann um den ISO-Wert.

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