Gradationskurven in Photoshop

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Gradationskurven sind eines meiner Lieblingstools, wenn es um Farbeffekte und Kontraste geht. Sieht wild aus, ist aber easy.

Viele Einsteiger in Photoshop haben Angst vor Gradationskurven, das sieht alles so furchtbar kompliziert aus und irgendwie kommen da böse Erinnerungen an die Analysis hoch. Lasst den Taschenrechner stecken, Gradationskurven sind viel intuitiver als sie aussehen, jedenfalls dann, wenn man einmal das Prinzip verstanden hat.

 

Gradationskurven oder Tonwertkorrektur ?

Im Grunde macht die Gradationskurve auch nichts anderes als die Tonwertkorrektur. Ihr könnt mit den Kurven das Bild heller oder dunkler machen und den Kontrast steuern.

Jetzt leuchten bei euch vielleicht Fragezeichen auf. Warum ein extra Tool, wenn es doch die Funktion schon gibt? Es gibt ja sogar in Photoshop noch den Helligkeits- und Kontrastregler, also alles doppelt. Ja, in Photoshop gibt es viele Funktionen doppelt und dreifach!

 

In Photoshop führen viele Wege zum Ziel

 

Und das ist auch gut so. Der Sinn liegt bei allen dieser Tools bzw. Reglern in ihrer Darstellung. Der Helligkeitsregler und der Kontrastregler besitzt nur zwei Schiebeschalter. Geht es Dir wirklich nur um den Kontrast oder die allgemeine Helligkeit im Bild, dann ist dieser das Werkzeug der Wahl.

Mit Gradationskurven würde so eine Korrektur genauso funktionieren, der Vorteil liegt aber darin, dass man mit den Kurven ganz feinfühlig z. B. nur die hellen, die mittleren oder die dunklen Bereiche anpassen kann. Ist in einem Bild nur der Himmel zu hell, lässt sich dieser mit der Kurve absenken.

Wie schon bei der Tonwertkorrektur hast Du als Basis für die Gradationskurve ein Histogramm mit allen Helligkeiten. Links sind die dunklen Töne wie schwarz, rechts die hellen Tonwerte.
Ist die Kurve eine Gerade von links unten bis rechts oben, hast Du den normalen Zustand ohne irgendwelche Korrekturen.

 

Mit der Gradationskurve den Kontrast erhöhen

Was ist Kontrast? Kontrast ist der Unterschied zwischen hellen und dunklen Tönen. Besitzt ein Bild viele helle und dunkle Töne, ist der Kontrast hoch. Im Histogramm erkennst Du hohe Kontraste an einem schön ausgefüllten Histogramm, es kommen sowohl sehr dunkle wie auch sehr helle Töne vor.

 

Kontrast ist der Unterschied zwischen hellen und dunklen Tönen

 

Mit diesem Wissen können wir jetzt am Beispielbild mit der Gradationskurve den Kontrast schön hochziehen. Im Beispielbild haben wir ein ganz flaues Bild, das Histogramm zeigt echt null Kontraste, alle Werte drängen sich in der Mitte, nur mittlere Tonwerte bzw. Helligkeiten. Flauer gehts kaum.

niedriger kontrast

 

Jetzt drehen wir mal den Kontrast etwas hoch. Unsere dunklen Tonwerte fehlen im Histogramm völlig, also klicken wir auf die Gerade im linken Bereich und schieben sie etwas nach unten. Alle dunklen Töne werden jetzt noch dunkler.

An hellen Tönen fehlt es genauso, wir klicken auf den rechten Teil der Gerade und ziehen diese höher, um die Lichter aufzuhellen. Diese so entstandene S-Kurve ist eine ganz typische Form um den Kontrast in Bildern zu erhöhen.

 

S-Kurven erhöhen den Kontrast

 

Unter dem oberen Dropdownmenü findest Du mehrere solcher vorgefertigten Kurven für Kontrasterhöhung. Deine eigenen Kurven kannst Du natürlich ebenfalls abspeichern. In der Praxis reicht so eine S-Kurve für die meisten Bilder locker, unser Bild knallt aber noch immer nicht richtig, da braucht es richtig Dampf.

kontrasterhoehtskurve

 

Noch stärker lässt sich der Kontrast mit den kleinen Anfassern direkt unter der Gradationskurve verstärken. Die Wolken strahlen weiß, der Himmel ist tief Blau, das knallt richtig rein. Die schön weiche S-Kurve ist eckig geworden, alle dunklen Töne wurden maximal abgesenkt, die hellen maximal hochgezogen.

 

Versuche immer weiche Kurven zu verwenden.

 

highkontrast

 

Gradationskurven und Farblook

Bisher haben wir mit den Kurven nur den Kontrast und die Helligkeit beeinflusst. Mit Gradationskurven bekommst Du aber auch wirklich geile Farblooks und Crossentwicklungen hin. Im Dropdown war bisher immer RGB eingestellt, Deine Einstellungen beziehen sich daher auf alle Farbkanäle gleichzeitig was sich nur auf die Helligkeit und auf die Sättigung auswirkt.

Immer wenn es um Farbeffekte geht, musst Du bei Photoshop einzelne Kanäle beeinflussen. RGB steht dabei für die Farbkanäle Rot, Grün und Blau.

Der Himmel sieht ja schon ganz ok aus, aber ein bisschen was geht da noch, vielleicht ein Retro-Look mit Farbstich. Der Himmel ist Blau, also rein in den blauen Kanal der Gradationskurve. Ziehen wir die blaue Kurve bei den hellen Tönen nach oben, wird das blau heller, logisch. Beim runterziehen der blauen Kurve passiert aber was Interessantes, das Bild bekommt einen Gelbstich. Achte mal nur auf die Wolken! Das Bild wirkt zwar grünlich, in Wirklichkeit wurde aber Gelb hinzugefügt. Ziehen wir jetzt noch die dunklen Bereiche der Kurve nach oben, werden diese blau und heller. Achte mal auf die Hausecke im Bild.

 

cross

 

Mit diesem Wissen kannst Du schon ne Menge an richtig krassen Farblooks generieren ohne irgendwelche kaufen zu müssen. Die meisten Farblooks von Filtern wie VSCO lassen sich so selbst generieren. Du kannst jetzt also mit den einzelnen Farbkanälen herumprobieren bis es passt.

Schöner ist es aber, wenn Du schon vorher weißt mit welchem Kanal oder Kanälen du arbeiten musst. Oben hast Du gesehen, dass sich Blau und Gelb gegensätzlich verhalten haben. Mit den anderen Farben funktioniert das genauso.

Weniger rot bedeutet mehr Cyan
Weniger Grün ist Magenta
Weniger Blau ist Gelb.

Wenn Du Dir diese Farbpaare einmal gemerkt hast, dürften Probleme mit Farbstichen oder Farblooks kein Problem mehr für Dich sein. Sollen z.B. Schatten in Deinem Bild einen Grünstich erhalten, zieh bei den Tiefen das Grün hoch, umgekehrt bekommst Du einen Magenta Farbstich in den Schatten.

Du kannst auch kombinieren. Farben wie orange, pink und lila hatten wir bisher ja nicht verwendet. Das liegt einfach daran, dass diese Töne sich wiederum aus der Mischung der 6 Farben ergeben. Möchten wir beispielsweise orange, so brauchen wir mehr Rot und mehr Gelb. Gelb kannst Du aber nicht direkt beeinflussen, also fahren wir das Blau etwas runter.

Auch wenn Du schon Filter wie die wirklich großartigen VSCO Filter oder die Nick Collection benutzt, versuch einfach mal die Basics mit den Gradationskurven. Noch mehr über Farben findest Du in meinem Beitrag über das RGB System.

Viel Spass beim Ausprobieren!

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