ISO Wert – Manuell fotografieren Teil 4

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ISO Wert

 

In den vorherigen Teilen zu der Serie manuell fotografieren habt ihr gesehen, dass die Blende und die Belichtungszeit sich in einem Gleichgewicht befinden müssen.

Ist auf der einen Seite der Waage weniger Licht durch eine kleine Blende, müssen wir auf der anderen Seite mehr Licht durch eine längere Belichtungszeit rauf packen, damit die Belichtungswaage wieder ausgeglichen 0 anzeigt.

Mit der Einführung des ISO-Wertes besitzt unsere Waage aber nun 3 Waagschalen Stellt euch das wirklich wie eine Waage in Dreiecksformation mit 3 Waagschalen vor. Der ISO beeinflusst nämlich auch wieder direkt die Helligkeit eurer Bilder.

Was ist der ISO Wert?

ISO steht für „Internationalen Organisation für Normung“, ist also erstmal sowas wie DIN. In der Zeit vor der Digitalfotografie kümmerte sich die ISO um einen Standard für die Filmempfindlichkeit oder genauer gesagt um die Lichtempfindlichkeit der analogen Filme. Wollte man in dunklen Räumen Bilder machen, musste man vorher einen entsprechend empfindlichen Film besorgen, z. B. einen ISO 400 oder den empfindlicheren ISO 800. Für Urlaubsbilder in sonnigen Gegenden verwendete man einen kleinen Wert wie ISO 100.

Im Vergleich mit den digitalen Kameras war das eine große Einschränkung, war der gewählte Film erstmal in der Kamera, konnte man nicht einfach so wechseln, man musste sich also immer vorher Gedanken über die Lichtempfindlichkeit des Filmes machen. Diese Zeiten sind vorbei! Strahlt draußen die Sonne, runter mit dem ISO auf 100 oder 50 und am Abend des gleichen Tages wieder hoch auf 400 oder 800 für die Dämmerung.

 

Je höher der ISO Wert, desto lichtempfindlicher ist der Film bzw. der Sensor der Kamera.

 

Die Schattenseite des ISO

Auch der ISO hat eine Schattenseite, ansonsten könnte man den ISO ja immer schön auf hohen Werten belassen. Die Kamera wäre lichtempfindlich, die benötigten Verschlusszeiten wären kurz und man würde auch ohne Stativ kein Bild verwackeln. Das Problem mit hohen ISO Werten liegt im Rauschverhalten. Je höher Ihr den ISO nämlich dreht, desto grobkörniger und verrauschter werden eurer Bilder, weswegen ihr immer versuchen solltet den kleinstmöglichen ISO Wert zu verwenden.

 

Je höher der ISO Wert, desto grobkörniger und verrauschter wird das Bild

 

Vergleich niedriger ISO Wert gegen großen ISO Wert

Natürlich ist es aber auch mit dem ISO Wert genau wie mit der Blende und der Verschlusszeit immer ein Kompromiss. Man kann einfach nicht immer mit dem kleinsten ISO Wert arbeiten. Fehlt das Licht, und ihr habt kein Stativ ist ein leicht verrauschtes Bild noch immer besser als ein rauschfreies Bild welches ihr verwackelt habt.

 

Keine Panik bei hohen ISO Werten

Neulinge die das erste Mal mit dem ISO in Berührung kommen haben dann auch meist Angst vor hohen ISO Werten, ein hoher ISO rauscht ja. Entspannt euch, die meisten Kameras machen von ISO 50 bis ISO 1600 ganz gute Bilder und wie es Benjamin Jaworskyj mal ausgedrückt hat: Lieber ein verrauschtes Bild als kein Bild. Genau darum geht es bei der Fotografie, am Ende müsst Ihr ein Bild haben, der Weg dorthin ist immer ein Kompromiss und Photoshop und Camera Raw zaubert einen Großteil des Rauschens im Nachhinein weg, wenn auch mit Detailverlusten. Ohne Stativ in der Nacht geht es einfach nicht ohne hohe ISO Werte.

Hoher ISO Wert

High-Iso ohne Rauschreduzierung

 

Hoher ISO Wert mit Rauschreduktion

Bild mit Rauschreduzierung

ISO Einheiten

Üblicherweise beginnen die meisten Kameras bei ISO 50 oder ISO 100 als kleinster Wert. Die Schritte sind meist Verdoppelungen, also ISO 100, ISO 200, ISO 400, ISO 800 usw. Diese Sprünge haben genau wie bei der Belichtungszeit einen echten Sinn, jede dieser Stufen entspricht wieder einem EV, einer Belichtungseinheit oder einer Blendenstufe.

Verdoppelt Ihr die Belichtungszeit, könnt ihr den ISO Wert halbieren. Verdoppelt Ihr hingegen den ISO Wert, könnt ihr entweder die Belichtungszeit halbieren oder aber die Blende um eine ganze Stufe schließen. Im Ergebnis wird sich die Belichtung nicht ändern, in allen Fällen sind die Bilder gleich hell.

 

Welchen ISO Wert einstellen?

An einem sonnigen Tag mit richtig viel Licht kann man in den meisten Fällen mit dem ISO richtig runter gehen, ISO 50 bis ISO 200. Selbst aus der Hand ohne Stativ sind die Belichtungszeiten mit mittleren Blenden und Brennweiten ausreichend kurz.

 

Versucht immer den kleinstmöglichen ISO Wert zu wählen

 

Für stehenden Objekte und bei Verwendung eines Stativs gibt es keinen Grund nicht den kleinsten ISO Wert zu nehmen. Die Kamera steht stabil, das Objekt läuft nicht weg, also warum nicht auch mal 2 Sekunden belichten. Für Produktaufnahmen ist so ein Setting ideal.

Bei Nachtaufnahmen der Landschaft ist es etwas schwieriger. Ist der ISO Wert zu hoch, rauscht das Bild zu sehr. Bei sehr kleinen ISO Werten wird die Belichtungszeit zum einen unangenehm hoch, zum anderen macht sich die Erdrotation beim Sternenhimmel bemerkbar und statt kleiner Lichtpunkte sieht man kleine Striche der wandernden Sterne. Ich selbst verwende bei Nachtaufnahmen deswegen meistens Werte zwischen 200–800 je nach Brennweite.

 

 

 

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